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Digitale Kommune im Jahr 2030

Ana Logheimers Erkenntnis

Ana Logheimer sitzt in ihrem Benziner und ist auf dem Weg ins Büro. Sie wohnt in Analogland. Ana-logland ist ein Landesteil, welcher technologisch sowie kulturell von anderen Landesteilen wie Digi-talien und Effizienzien weit abgehängt wurde. Keiner hätte den Wandel so schnell erwartet, doch während in der politischen Landschaft eine stetige Fokussierung auf dieselben Probleme und Sorgen stattfand, haben einige Akteure und Spitzenunternehmen gehandelt. Aus interessanten und mo-dernen Technologien entstanden Ökosysteme, deren Nutzen und Tragweite anfänglich überhaupt nicht greifbar oder vorstellbar waren. Doch schon nach wenigen Monaten waren diese Systeme nicht mehr wegzudenken und bilden nun die Grundlage der meisten Dienstleistungen in der digitali-sierten Welt. Im ländlichen Analogland hingegen hatten sich einige gegen diese zukunftsweisenden Entwicklungen gesperrt. Aufgrund der geringen Einwohnerdichte und damit einhergehenden gerin-gen wirtschaftlichen Chancen für digitale Dienste, lag der ländliche Raum jenseits des Fokus vieler Wirtschaftsunternehmen, die den Wandel in den Städten vorangetrieben hatten. 
Die Folgen waren zu Beginn nicht absehbar. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass viele Applika-tionen und Dienstleistungen ab genau drei Metern nach der Landesgrenze von Analogland den Dienst verweigerten. Dies ist kein Zufall, sondern entspricht genau dem Wert, den ein pflichtbewuss-ter Programmierer für edelmütig genug hielt. Drei Meter nach der digitalisierten Welt beginnt die zweite Steinzeit, oder die dritte Welt, wie es einige populistische Medien auszudrücken pflegen. 
Nun sitzt Ana Logheimer in ihrem schon betagten, aber doch verlässlichen Benziner und hat bereits 23 der 35 km zu ihrer Arbeit zurückgelegt. Remote arbeiten kommt für sie leider nicht in Frage, denn Zuhause hat sie keinen Breitbandzugang. Doch nun geht es weder vor noch zurück. Ana und alle anderen Autofahrer stehen in der Vollsperrung aufgrund eines Unfalls. Ein Ereignis, das in den an-deren Landesteilen gar nicht erst vorkommt, weil alle Fahrzeuge durch ein in Echtzeit kommunizie-rendes Mobilfunknetz der neuesten Generation miteinander kommunizieren und der Verkehr dadurch ruhig und geregelt fließt. Ana schaut auf die Uhr und seufzt, sie wird mal wieder nicht rechtzeitig zu ihrem Termin kommen. Sie schickt ihrem Kollegen eine Sprachnachricht. Doch die Nachricht wird nicht gesendet, denn ihr Smartphone zeigt Edge an und nichts geht mehr. Also nimmt sie das Smartphone in die Hand und ruft ihren Kollegen an. Sie befindet sich genau an einer Hanglage, kurz hinter Abgeschiedenhausen. Hier gibt es nur manchmal, mit etwas Glück und wenn der Wind richtig steht, einen Balken des altertümlichen aber notwendigen GSM-Mobilfunknetzes, welches die Sprachverbindung herstellen soll. Der Anruf geht nicht durch. Ana ist nun in starker Auf-regung und die Schweißperlen sammeln sich auf ihrer Stirn. Ana ist leitende Angestellte in einem größeren KMU. Gerade überdenkt sie ihre Aussage aus dem letzten Meeting am Vorabend. Da hat-te sie zu ihren Kollegen gesagt: „Zum Glück haben wir in Analogland den ganzen technischen Schnickschnack nicht, das haben wir ja noch nie gebraucht“. Nun überlegt sie: „Vielleicht ist der eine oder andere Dienst doch mal hilfreich“. Früher war ja auch ein Smartphone nur Spielerei, doch da-ran hat sie sich schließlich auch gewöhnt. In ihr steigt eine Erkenntnis auf: Vielleicht sollte sie doch nach Digitalien umziehen. Durch den Umzug könnte sie sich viel Zeit und Unannehmlichkeiten erspa-ren. Ihr Sohn hat in einem Konzern bereits ein gutes Wort für sie eingelegt, doch ob sie sich dafür wirklich öffnen kann?

 

Eine Kommune in Digitalien im Jahr 2030

Durch ein Lösen von Banden wie „Brauchen wir das wirklich?“ und „Bis jetzt ging es ja auch so!“ konnte die technologische Entwicklung in den Kommunen in Digitalien eine rasante Fahrt aufneh-men. Eine jede Kommune in Digitalien hat die Unabdingbarkeit von konvergenten Netzen als Vo-raussetzung für zukunftsweisende Anwendungen verstanden und auf eine Stufe mit Strom, Wasser und Straßen gesetzt. Überall sind Sensoren verbaut, die sämtliche Daten messen und für Entschei-dungen zur Verfügung stehen. Viele dieser Sensoren übermitteln ihre Daten über ein sogenanntes LPWAN (Low Power Wide Area Network), um den Akku zu schonen, falls kein Stromanschluss vor-handen ist. 
Durch die gemessenen Daten und anonymisierten Informationen bezüglich des Verkehrsflusses und der Passantenströme kann die Stadt bedarfsgerechter handeln. Dies ermöglicht eine effiziente Steuerung des Verkehrs. So holen öffentliche Shuttles und autonome Fahrzeuge, welche über das 5G-Mobilfunknetz verbunden sind, die Nutzer On-Demand ab und fahren sie zum gewünschten Ziel. Dadurch konnten viele Straßen rückgebaut und Parkplatzflächen umgenutzt werden. Für Waren-auslieferungen und viele weitere Dienste werden Drohnen eingesetzt, die ebenfalls über das Mobil-funktnetz gesteuert werden. Die Daten fließen in eine IoT-Plattform und werden in Echtzeit über eine KI-Analytics-Anwendung (Künstliche Intelligenz) berechnet, was eine bestmögliche Ampel-schaltung ermöglicht. Auch können durch die Auswertungen innerhalb der Plattform die optimale Bewerbung des Einzelhandels oder nötige Veränderungsmaßnahmen an der Infrastruktur erkannt werden. Beispielsweise kann im Bereich des Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung) die optimale Wartung von Infrastruktur durchgeführt werden, sowie ein voraussichtlich notwendi-ger Austausch von Komponenten und Objekten angegeben werden.

 

Die Bedeutung von konvergenten Netzen für die fortschrittliche Gesellschaft

Welche Techniken und Voraussetzungen stehen hinter einem Zukunftsszenario wie in den Kom-munen in Digitalien? Die Betrachtung von konvergenten Netzen scheint eine Antwort auf die ge-stellte Frage zu geben.
Das Wort Konvergenz kommt aus dem Lateinischen von „convergere“ und bedeutet „zusammen-laufen“ oder „sich annähern“. Dieses Zusammenlaufen kann aus verschiedenen Blickwinkeln be-trachtet werden. Ein möglicher Blickwinkel ist die Sicht des Kunden. Für die Kundenerfahrung be-deutet ein konvergentes Netz, dass die genutzten Dienste stets und überall in einer mindestens ausreichenden Güte angeboten werden, ganz gleich, über welche Zugangstechnologie dies erfolgt. Der Teilnehmer möchte eine nahtlose Konnektivität (Seamless Connectivity) erleben. Dazu ist u. a. das Zusammenwachsen von Mobilfunk und Festnetz notwendig (Fixed Mobile Convergence).
Aus technischer Sicht bedeutet dies das konsequente Umstellen auf „All-IP“, also die Vereinheitli-chung aller Dienste auf Basis des Internet Protokolls. Netzwerkkonvergenz ist damit ein wesentli-ches Merkmal eines Next Generation Networks (NGN). Für Diensteanbieter ergeben sich dadurch ganz neue Möglichkeiten im Produktportfolio.
Um ein konvergentes Netz leistungsfähig zu gestalten, ist ein weitreichendes Glasfasernetz zwin-gend erforderlich. Nur so können die künftigen Datenmengen schnell und zuverlässig transportiert werden. Diese Erkenntnis sollte auch in die Pläne aller am Glasfaserausbau beteiligten Akteure einfließen. Glasfaser als Übertragungsmedium ist nicht nur optimal für das schnelle Internet Zuhau-se (FTTB/FTTH), sondern auch für die Anbindung vieler weiterer Infrastrukturobjekte, insbesonde-re als Backhaul für die zahlreichen neuen Antennenstandorte des anstehenden 5G-Ausbaus. Dies wiederum erfordert eine frühzeitige Identifizierung potentieller Standorte, sowohl von Makro-Standorten für größere Masten, als auch von Mikro-Standorten für die sog. Small Cells. Letztere finden z. B. Platz in Straßenlaternen und anderen Trägerinfrastrukturen in kommunaler Hand. So-mit sind auch die Kommunen aufgefordert oder geradezu prädestiniert, bei einer Beschleunigung des Netzausbaus mitzuwirken.
Ein weiterer Baustein zukunftsfähiger Netze sind dezentrale Rechenzentren (Edge Computing), um die Datenverarbeitung nah an den Teilnehmer zu bringen. Dies ist notwendig für eine schnelle Re-aktionszeit aus dem Netz. Für 5G wird bspw. eine Latenz von einer Millisekunde gefordert. Allein die Laufzeit eines Lichtsignals über Glasfaser von München nach Hamburg und zurück beträgt etwa acht Millisekunden.
Damit zukunftsfähige Netze entstehen können, müssen diese auch konvergent geplant werden. Konvergente Netzplanung bedeutet für Kommunen nicht nur den Festnetz-Breitbandausbau zu realisieren, dessen Notwendigkeit mittlerweile überall angekommen sein sollte, sondern auch die kommende Mobilfunkgeneration im Blick zu haben. Neben dem „Gigabit-Netz“ spielt aber auch eine explizit schmalbandige Technik eine immer gewichtigere Rolle: LPWAN, als Wegbereiter für zahlreiche IoT-Anwendungen. Diese Technologie wird für eine technisch moderne Gesellschaft eine ebenso wichtige Rolle spielen wie breitbandige Konnektivität.
Letztlich bestimmt die Anwendung die Art der optimalen Konnektivitätstechnologie. Ein Smart Me-ter ist in einem LPWAN gut aufgehoben, das 8k-Streaming verlangt Glasfaser. Hier gilt nicht „ent-weder-oder“, sondern „sowohl als auch“. Demnach müssen sich Kommunen nicht nur mit Glasfa-ser, sondern mit der kompletten Konnektivitätsebene beschäftigen, um sich technologisch zu ent-wickeln und selbst am Markt teilnehmen zu können. Denn durch neue Technologien entstehen auch neue Geschäftsfelder.

 

Chancen für den heutigen ländlichen Raum

Eine Kommune, egal ob Stadt oder Dorf, kann aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Eine dieser Perspektiven ist die Betrachtung der Kommune als Raum, der von einer Vielzahl von Akteuren zur Bedürfnisbefriedigung genutzt wird. Durch technologischen Fortschritt ergeben sich für den ländlichen Raum unzählige Chancen, wodurch eine Degeneration nicht nur verhindert, son-dern gar die Bedeutung harter Standortfaktoren, wie die geographische Lage nivelliert, werden kann. 
Welche Schritte können unternommen werden, um den ländlichen Raum fit für die digitale Zukunft zu machen? Um eine Digitalstrategie zu erarbeiten, gehören alle Akteure der Kommune an einen Tisch und analysieren gemeinsam mit externen Fachleuten den Bedarf und eruieren Möglichkei-ten. Diese Digitalstrategie enthält neben übergeordneten Zielen konkrete Maßnahmen zur Umset-zung von Projekten und Diensten. Des Weiteren sollten die Entwicklungspotentiale durch einen konvergenten Konnektivitätsplan bewertet werden.  
Die Digitalisierung muss nicht als Schreckgespenst gesehen werden, sondern vielmehr als Chance für den ländlichen Raum, um eine Attraktivitätssteigerung und Zugänge zu digitalen Märkten zu ermöglichen. Die vor uns liegenden Aufgaben erstrecken sich über alle Ressorts, Ebenen sowie Themenbereiche. Somit führt nur ein gemeinsames Erarbeiten von Strategien und Maßnahmen durch das Mitwirken aller Akteure sowie Spezialisten mit der jeweiligen Fachkenntnis zum Erfolg.
 

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